Aktuelles Arbeitsrecht April 2020

„Scrum-Team“ – Gleiches Arbeitszeugnis für alle Teammitglieder?

Mit einer interessanten Frage hatte sich das Arbeitsgericht Lübeck in seinem Urteil vom 22.01.2020 – 4 Ca 2222/19 – zu befassen. Der Mitarbeiter in einem Projektteam, das nach der sog. „Scrum“-Methode zusammenarbeitete, verlangte ein Arbeitszeugnis, das dem Wortlaut nach demjenigen eines anderen Team-Mitglieds entsprechen sollte. Bei „Scrum“ handelt es sich um eine Form agiler Gruppenarbeit, bei der der Arbeitgeber auf fachliche Weisungen an die Gruppenmitglieder verzichtet und diese sich selbst regulieren und kontrollieren. Hintergrund für das Verlangen des Mitarbeiters war, dass er sich im Vergleich zu einem anderen Mitarbeiter bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses schlechter bewertet sah, weshalb das Arbeitszeugnis entsprechend angepasst werden müsse. Offenbar war der Mitarbeiter der Auffassung, dass alle Teammitglieder – vermutlich aufgrund der „Teamleistung“ – gleich bewertet werden müssten. Das sah das Arbeitsgericht anders und wies die Klage auf Zeugnisberichtigung ab. Auch in agilen Arbeitsumgebungen sei die individuelle Leistung messbar, selbst wenn das Gruppenergebnis im Vordergrund stehe. (HHo/04.2020)